Kultur- und Bildungszentrum: Nicht unsere Wunschlösung – aber eine verantwortbare Lösung für die Zukunft

Die Hugenottenhalle und die Stadtbibliothek sind wichtige Orte für unsere Stadt. Deshalb stehen wir weiterhin zu dem Ziel, daraus einen modernen Kultur- und Bildungsort und einen „Dritten Ort“ zu machen, an dem Kultur, Bildung und Begegnung zusammenkommen.

Gleichzeitig wollen wir ehrlich sein: Die jetzt weiterverfolgte Planung ist nicht die Lösung, die wir uns ursprünglich vorgestellt haben. Die finanzielle Situation der Stadt hat sich verändert. Deshalb muss auch dieses Projekt angepasst werden. Für uns bedeutet das: Wir halten am Ziel fest, verzichten aber auf die ursprünglich geplante Flächenerweiterung.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Die ursprünglichen Planungen sahen eine Erweiterung der bestehenden Gebäudefläche vor. Genau diese zusätzliche Fläche soll nun nicht mehr gebaut werden.

Wir wollen also nicht größer bauen, sondern besser mit dem vorhandenen Raum umgehen.

Dabei ist uns besonders wichtig, dass die Hugenottenhalle und die Stadtbibliothek nicht einfach nebeneinander saniert werden. Wir wollen einen offenen, einladenden und möglichst barrierearmen Dritten Ort schaffen, an dem die unterschiedlichen Angebote miteinander verbunden sind. Räume sollen möglichst multifunktional genutzt werden können – für Kulturveranstaltungen genauso wie für Bildung, Begegnung, Workshops oder andere Angebote.

Wir wissen auch: Wenn VHS und Musikschule künftig andere Standorte nutzen, bedeutet das nicht, dass dort auf Dauer keinerlei Investitionen notwendig sind. Auch diese Gebäude müssen perspektivisch betrachtet und teilweise saniert werden. Trotzdem halten wir es für sinnvoller, die vorhandene Infrastruktur weiterzuentwickeln, statt an anderer Stelle zusätzlich einen komplett neuen Gebäudekomplex zu errichten.

Und was ist mit der RTW?

Uns ist bewusst, dass immer wieder gefragt wird, ob die große Lösung für die Hugenottenhalle nicht möglich wäre, wenn Neu-Isenburg die RTW nur bis zur Frankfurter Straße bauen oder ganz aus der RTW aussteigen würde.

So einfach ist die Rechnung nicht. Die RTW ist zwar ein großes Investitionsprojekt und belastet den städtischen Haushalt, gleichzeitig handelt es sich um ein überregionales Infrastrukturprojekt mit erheblicher Förderung. Ein Ausstieg oder eine Verkürzung wäre zudem selbst mit erheblichen finanziellen, rechtlichen und planerischen Fragen verbunden. Bereits eingegangene Verpflichtungen verschwinden dadurch nicht einfach.

Deshalb kann man die beiden Projekte nicht einfach gegeneinander aufrechnen: „Keine RTW = Geld für die große Hugenottenhalle.“ Das wäre zu kurz gegriffen.

Und wir wollen auch die Kritik an den Kosten der Hugenottenhalle nicht kleinreden. Die ursprüngliche Kostenschätzung ist inzwischen deutlich gestiegen und unsere Haushaltslage extrem angespannt: Hohe Umlagebelastungen und der Kommunale Finanzausgleich schränken den finanziellen Spielraum der Stadt (wie in vielen anderen Kommunen auch) erheblich ein, während gleichzeitig Pflichtaufgaben und Kosten weiter steigen. Der Haushalt 2026 weist ein Defizit von rund 28 Millionen Euro auf – ein Fehlbetrag, der nur noch durch die Inanspruchnahme vorhandener Rücklagen und liquider Mittel aufgefangen werden kann.

Auch für die kommenden Jahre sind trotz bereits umgesetzter und geplanter umfangreicher Konsolidierungsmaßnahmen weiterhin erhebliche Fehlbeträge zu erwarten.

Darum muss Planung des Umbaus wirtschaftlicher werden und darf keine zusätzlichen Flächen schaffen, die wir nicht zwingend brauchen.

Für uns ist deshalb klar: Sanieren ja – aber mit Augenmaß. Weiterentwickeln ja – aber ohne unnötige Flächenausweitung. Und vor allem: Wir wollen aus der Hugenottenhalle und der Stadtbibliothek einen Ort machen, der für möglichst viele Menschen funktioniert und auch in 20 oder 30 Jahren noch genutzt werden kann.

Wir stehen zu dem Ziel eines modernen Kultur- und Bildungszentrums als Dritten Ort für Neu-Isenburg. Aber Verantwortung bedeutet für uns auch, ein Konzept an veränderte finanzielle und räumliche Rahmenbedingungen anzupassen. Genau das passiert jetzt.